Unsere Leistungen
Wir verbinden präzise Diagnostik, individuelle Therapiekonzepte und innovative Behandlungsmethoden. In unserer Praxis in Heidelberg setzen wir auf ein ganzheitliches Verständnis Ihrer Erkrankung.
Von der ersten Untersuchung bis zur maßgeschneiderten Therapie. Erfahren Sie, wie wir Ihnen helfen, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern
Diagnostik und Therapie
Umfangreiche serologische Rheumadiagnostik in eigenem Labor und patientenorientierte individuelle Therapie von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen
Rheumatoide Arthritis
Was ist rheumatoide Arthritis?
Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine chronische Erkrankung, bei der Ihr Immunsystem fälschlicherweise Ihre eigenen Gelenke angreift. Dies führt zu Entzündungen, Schmerzen und Schwellungen, meist in den kleinen Gelenken der Hände und Füße. Die Erkrankung betrifft typischerweise beide Körperseiten gleichmäßig (symmetrisch).
Etwa 0,5 bis 1% der Bevölkerung ist betroffen. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Frauen erkranken 2- bis 3-mal häufiger als Männer.
Was passiert bei rheumatoider Arthritis?
Bei RA entzündet sich die Gelenkinnenhaut (Synovialis). Diese Entzündung kann unbehandelt zu dauerhaften Schäden an Knorpel, Knochen, Sehnen und Bändern führen. Die Erkrankung kann auch andere Organe betreffen, weshalb man von einer systemischen Erkrankung spricht.
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber sowohl genetische Veranlagung als auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle. Rauchen ist der stärkste bekannte Risikofaktor.
Wie wird rheumatoide Arthritis behandelt?
Früher Behandlungsbeginn ist entscheidend
Je früher die Behandlung beginnt, desto besser können Gelenkschäden verhindert werden. Idealerweise sollte innerhalb weniger Wochen bis Monate nach Diagnosestellung mit der Therapie begonnen werden.
Medikamentöse Behandlung
Das Hauptziel ist es, die Krankheitsaktivität zu kontrollieren und idealerweise eine Remission (Ruhezustand der Erkrankung) zu erreichen. Die wichtigsten Medikamente sind:
– Basistherapeutika (DMARDs): Diese Medikamente bremsen den Krankheitsverlauf. Methotrexat ist meist das erste Medikament der Wahl.
– Biologika: Wenn Basistherapeutika nicht ausreichend wirken, können moderne Biologika eingesetzt werden. Diese blockieren gezielt bestimmte Entzündungsbotenstoffe.
– JAK-Inhibitoren: Eine weitere Gruppe moderner Medikamente, die bei unzureichendem Ansprechen auf andere Therapien eingesetzt werden können.
Regelmäßige Kontrollen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie alle 1-3 Monate kontrollieren und die Behandlung anpassen, wenn das Therapieziel nicht erreicht wird.
Was können Sie selbst tun?
Bewegung und Physiotherapie
Regelmäßige Bewegung ist sehr wichtig. Empfohlen werden verschiedene Formen wie Ausdauertraining, Wassergymnastik, Krafttraining oder Yoga. Physiotherapie und Ergotherapie können Ihnen helfen, Ihre Beweglichkeit zu erhalten und den Alltag zu erleichtern.
Ernährung
Eine mediterrane Ernährung (viel Gemüse, Obst, Fisch, Olivenöl) kann unterstützend wirken. Ein gesundes Körpergewicht ist ebenfalls wichtig.
Lebensstil
– Wenn Sie rauchen, ist ein Rauchstopp sehr empfehlenswert
– Stress-Management-Techniken können hilfreich sein
– Ausreichend Schlaf und Erholung sind wichtig
Ausblick
Mit modernen Behandlungsmöglichkeiten können die meisten Menschen mit rheumatoider Arthritis ein aktives Leben führen. Die Behandlung muss individuell angepasst werden und erfordert eine gute Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ihrem Behandlungsteam.
Sprechen Sie offen mit Ihren Ärztinnen und Ärzten über Ihre Beschwerden, Behandlungsziele und eventuelle Nebenwirkungen der Medikamente.
Spondyloarthritis (Morbus Bechterew)
Was ist Spondyloarthritis?
Spondyloarthritis (auch Morbus Bechterew oder Bechterew-Krankheit genannt) ist eine chronische entzündliche Erkrankung, die hauptsächlich die Wirbelsäule und die Kreuz-Darmbein-Gelenke (Iliosakralgelenke) betrifft. Die Erkrankung kann auch andere Gelenke, Sehnenansätze und Organe wie die Augen, die Haut oder den Darm betreffen.
Welche Beschwerden treten auf?
Das häufigste Symptom ist chronischer Rückenschmerz mit folgenden typischen Merkmalen:
– Schleichender Beginn, meist vor dem 45. Lebensjahr
– Morgensteifigkeit, die länger als 30 Minuten anhält
– Besserung durch Bewegung und körperliche Aktivität
– Verschlechterung in Ruhe
– Nächtliche Schmerzen, besonders in der zweiten Nachthälfte
– Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß
Weitere mögliche Beschwerden:
– Gelenkschmerzen und Schwellungen (vor allem Knie, Hüfte, Schultern)
– Schmerzen an Sehnenansätzen (z.B. Achillessehne, Fußsohle)
– Augenentzündung (Uveitis)
– Hautveränderungen (Schuppenflechte)
– Darmentzündungen
Wie wird die Erkrankung behandelt?
Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Beweglichkeit zu erhalten und Entzündungen zu kontrollieren.
Bewegung und Physiotherapie
Regelmäßige Bewegung und Physiotherapie sind sehr wichtig, um die Beweglichkeit der Wirbelsäule zu erhalten und eine gute Körperhaltung zu bewahren. Ein aktives Übungsprogramm sollte dauerhaft durchgeführt werden.
Medikamente
Die Behandlung erfolgt stufenweise:
1. Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR): Dies sind die ersten Medikamente, die eingesetzt werden. Sie lindern Schmerzen und Steifigkeit. Bei anhaltend aktiver Erkrankung wird eine kontinuierliche Einnahme empfohlen.
2. Biologika und neuere Medikamente: Wenn NSAR nicht ausreichend wirken (nach Versuch mit 2 verschiedenen NSAR über 2 Monate), kommen stärkere Medikamente zum Einsatz:
– TNF-Hemmer (z.B. Adalimumab, Infliximab, Etanercept, Golimumab, Certolizumab)
– IL-17-Hemmer (z.B. Secukinumab, Ixekizumab)
– JAK-Hemmer (z.B. Tofacitinib, Upadacitinib)
Diese Medikamente werden als Spritze oder Infusion verabreicht und können die Entzündung deutlich reduzieren und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen.
Wichtig zu wissen
– Die Erkrankung verläuft chronisch, kann aber mit modernen Behandlungen gut kontrolliert werden
– Etwa 75% der Patienten benötigen im Verlauf Biologika oder neuere Medikamente
– Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig
– Rauchen kann den Krankheitsverlauf verschlechtern
– Mit der richtigen Behandlung können die meisten Patienten ein aktives Leben führen
Psoriasisarthritis
Was ist Psoriasisarthritis?
Psoriasisarthritis ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, die bei Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) auftreten kann. Etwa 30% aller Patienten mit Schuppenflechte entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Psoriasisarthritis. Bei den meisten Betroffenen tritt zuerst die Hauterkrankung auf, später folgen die Gelenkbeschwerden. In seltenen Fällen können die Gelenkprobleme auch vor den Hautveränderungen auftreten.
Welche Beschwerden verursacht die Erkrankung?
Die Psoriasisarthritis kann verschiedene Bereiche des Körpers betreffen:
Gelenke: Schmerzen, Steifigkeit und Schwellungen in den Gelenken, besonders morgens. Die Erkrankung kann wenige Gelenke (oft asymmetrisch verteilt) oder viele Gelenke betreffen. Häufig sind auch die Fingerendgelenke betroffen, was bei anderen Gelenkerkrankungen seltener vorkommt.
„Wurstfinger“ oder „Wurstzehen“ (Daktylitis): Einzelne Finger oder Zehen können komplett anschwellen und eine wurstartige Form annehmen.
Sehnenansätze (Enthesitis): Schmerzen an den Stellen, wo Sehnen am Knochen ansetzen, besonders an der Achillessehne oder Fußsohle.
Wirbelsäule: Bei manchen Patienten ist auch die Wirbelsäule betroffen, was zu Rückenschmerzen und Steifigkeit führt.
Nägel: 80-90% der Patienten mit Psoriasisarthritis haben Nagelveränderungen wie Tüpfelnägel oder sich ablösende Nägel.
Wie wird die Psoriasisarthritis behandelt?
Die Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, Entzündungen zu kontrollieren und Gelenkschäden zu verhindern. Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig für bessere Langzeitergebnisse.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
– Physiotherapie und Bewegungsübungen
– Gewichtskontrolle
– Rauchstopp
– Ergotherapie bei Alltagsproblemen
Medikamentöse Behandlung
Bei leichten Beschwerden:
– Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac
– Kortison-Spritzen direkt ins betroffene Gelenk
Bei stärkeren oder anhaltenden Beschwerden:
– Basismedikamente wie Methotrexat, Sulfasalazin oder Leflunomid, die das Immunsystem beeinflussen und Gelenkschäden verhindern können
Bei unzureichendem Ansprechen:
– Biologika: moderne Medikamente, die gezielt bestimmte Entzündungsbotenstoffe blockieren (z.B. TNF-Hemmer, IL-17-Hemmer, IL-23-Hemmer)
– JAK-Hemmer: Tabletten, die Entzündungsprozesse im Körper hemmen
– Apremilast: ein weiteres Medikament in Tablettenform
Die Wahl des Medikaments hängt davon ab, welche Bereiche hauptsächlich betroffen sind (Gelenke, Haut, Wirbelsäule) und wie Sie auf vorherige Behandlungen angesprochen haben. Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen die beste Behandlung für Ihre individuelle Situation auswählen.
Wichtig zu wissen
– Die Psoriasisarthritis ist eine chronische Erkrankung, aber mit der richtigen Behandlung können die meisten Patienten ein normales Leben führen
– Regelmäßige Kontrollen beim Rheumatologen sind wichtig, um die Behandlung anzupassen
– Bei guter Krankheitskontrolle kann manchmal die Medikamentendosis reduziert werden
– Informieren Sie Ihren Arzt über alle Beschwerden, auch wenn sie neu auftreten
Reaktive Arthritis
Was ist reaktive Arthritis?
Reaktive Arthritis ist eine Gelenkentzündung, die als Reaktion auf eine Infektion in einem anderen Teil Ihres Körpers auftritt. Die Entzündung entwickelt sich typischerweise einige Tage bis Wochen nach einer bakteriellen Infektion des Magen-Darm-Trakts oder der Harn- und Geschlechtsorgane. Wichtig zu wissen: Die Gelenke selbst sind nicht infiziert – die Entzündung ist eine Reaktion Ihres Immunsystems auf die vorangegangene Infektion.
Was verursacht reaktive Arthritis?
Die häufigsten auslösenden Infektionen sind:
Nach Magen-Darm-Infektionen:
– Salmonellen
– Shigellen
– Yersinien
– Campylobacter
Nach Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane:
– Chlamydien
– Ureaplasma
Nicht jeder, der eine solche Infektion hat, entwickelt eine reaktive Arthritis. Nur etwa 1-15% der Betroffenen erkranken daran. Eine genetische Veranlagung (HLA-B27-Gen) erhöht das Risiko.
Welche Symptome treten auf?
Die reaktive Arthritis betrifft meist junge Erwachsene zwischen 18 und 40 Jahren. Typische Beschwerden sind:
Gelenkbeschwerden:
– Entzündung von einem oder wenigen Gelenken (meist asymmetrisch)
– Bevorzugt betroffen: Knie, Sprunggelenke und andere Gelenke der Beine
– Schwellung, Schmerzen und Steifigkeit
– Entzündung der Sehnenansätze (besonders an den Fersen)
– „Wurstförmige“ Schwellung einzelner Finger oder Zehen
Weitere mögliche Symptome:
– Augenentzündung (Bindehautentzündung oder Regenbogenhautentzündung)
– Harnröhrenentzündung
– Hautveränderungen (schuppende Hautausschläge, besonders an Handflächen und Fußsohlen)
– Schleimhautveränderungen im Mund oder Genitalbereich
– Rückenschmerzen
– Müdigkeit
Die klassische Kombination aus Gelenkentzündung, Harnröhrenentzündung und Augenentzündung wird manchmal als Reiter-Syndrom bezeichnet, tritt aber nur bei einer Minderheit der Patienten auf.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Ihr Arzt wird:
– Nach kürzlich durchgemachten Infektionen fragen
– Ihre Gelenke untersuchen
– Blutuntersuchungen durchführen (Entzündungswerte, Antikörper gegen Bakterien, eventuell HLA-B27-Test)
– Stuhl- oder Urinproben untersuchen lassen
– Gegebenenfalls bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall, MRT) einsetzen
Wichtig: Zum Zeitpunkt der Gelenkbeschwerden lassen sich die auslösenden Bakterien meist nicht mehr direkt nachweisen – nur noch Antikörper im Blut.
Wie wird reaktive Arthritis behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere und Dauer Ihrer Beschwerden:
Akute Phase:
– Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)
– Schonung und Kühlung der betroffenen Gelenke
– Bei Bedarf: Kortisonspritzen ins Gelenk
– Bei nachgewiesener Chlamydien-Infektion: Antibiotika (z.B. Doxycyclin)
Bei längerem Verlauf (über 6 Monate):
– Sulfasalazin oder andere langwirksame Medikamente
– In schweren Fällen: Biologika (TNF-Blocker)
Zusätzliche Maßnahmen:
– Physiotherapie zur Erhaltung der Gelenkbeweglichkeit
– Behandlung von Sexualpartnern bei Chlamydien-Infektion
Wie ist der Verlauf?
Die meisten Patienten erholen sich innerhalb von 3-12 Monaten vollständig. Allerdings:
– Bei etwa 15-30% kann die Erkrankung chronisch werden
– Rückfälle sind möglich
– Manche Patienten entwickeln langfristig eine chronische Wirbelsäulenentzündung (Spondylarthritis)
Was können Sie selbst tun?
– Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein
– Führen Sie die empfohlenen Übungen durch
– Vermeiden Sie Überbelastung der betroffenen Gelenke
– Bei Chlamydien-Infektion: Safer Sex praktizieren und Partner mitbehandeln lassen
– Achten Sie auf Lebensmittelhygiene, um Darminfektionen zu vermeiden
– Informieren Sie Ihren Arzt bei neuen Symptomen oder Verschlechterung
Wann sollten Sie sofort zum Arzt?
– Bei plötzlicher starker Gelenkschwellung
– Bei Augenschmerzen oder Sehverschlechterung
– Bei hohem Fieber
– Bei zunehmenden Beschwerden trotz Behandlung
Polymyalgia rheumatica
Was ist Polymyalgia rheumatica?
Polymyalgia rheumatica ist eine entzündliche Erkrankung, die ausschließlich bei Menschen über 50 Jahren auftritt. Sie verursacht Schmerzen und Steifigkeit vor allem in beiden Schultern, häufig auch im Nacken und in der Hüftregion. Die Beschwerden sind typischerweise morgens am stärksten ausgeprägt.
Welche Beschwerden treten auf?
Die häufigsten Symptome sind:
– Schmerzen in beiden Schultern (bei 70-90% der Betroffenen)
– Ausgeprägte Morgensteifigkeit, die mehrere Stunden anhalten kann
– Schmerzen im Nacken und in der Hüftregion
– Schwierigkeiten beim Aufstehen aus dem Stuhl oder Bett
– Probleme, die Arme über den Kopf zu heben
Zusätzlich können auftreten:
– Müdigkeit und Erschöpfung
– Leichtes Fieber
– Gewichtsverlust
– Manchmal Schwellungen an Händen oder Füßen
Die Beschwerden beginnen meist plötzlich, können sich aber auch über einige Wochen entwickeln.
Wie wird die Erkrankung festgestellt?
Es gibt keinen einzelnen Test für Polymyalgia rheumatica. Ihr Arzt stellt die Diagnose aufgrund:
– Ihrer typischen Beschwerden
– Erhöhter Entzündungswerte im Blut (Blutsenkung und CRP)
– Ausschluss anderer Erkrankungen
Wie wird behandelt?
Die Behandlung erfolgt mit Kortison-Tabletten (meist Prednisolon). Die Wirkung tritt normalerweise sehr schnell ein – oft schon innerhalb weniger Tage spüren Sie eine deutliche Besserung.
Behandlungsablauf:
– Anfangsdosis: 12,5-25 mg Prednisolon täglich
– Nach Besserung wird die Dosis langsam reduziert
– Ziel ist das Absetzen nach etwa 12 Monaten
– Manche Patienten benötigen die Behandlung länger
Bei Rückfällen oder wenn Sie das Kortison nicht vertragen, gibt es zusätzliche Medikamente wie Methotrexat oder neuere Biologika (Interleukin-6-Hemmer).
Was ist wichtig zu wissen?
– Die Erkrankung beeinträchtigt nicht Ihre Lebenserwartung
– Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig
– Bewegung und körperliche Aktivität sollten Sie nach Ihren Möglichkeiten beibehalten
– Achten Sie auf mögliche Nebenwirkungen des Kortisons (Gewichtszunahme, erhöhter Blutzucker, Knochenschwund)
– Ihr Arzt wird Maßnahmen zum Schutz der Knochen empfehlen (Kalzium, Vitamin D, eventuell weitere Medikamente)
– Rückfälle kommen bei etwa 40% der Patienten vor – informieren Sie Ihren Arzt bei Wiederauftreten der Beschwerden
Wann sollten Sie sofort zum Arzt?
Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe bei:
– Neu auftretenden Kopfschmerzen
– Sehstörungen
– Schmerzen beim Kauen
– Hohem Fieber
Diese Symptome können auf eine verwandte Erkrankung (Riesenzellarteriitis) hinweisen, die sofortiger Behandlung bedarf.
Riesenzellartreriitis
Was ist Riesenzellarteriitis?
Die Riesenzellarteriitis (auch Arteriitis temporalis genannt) ist eine Entzündung der mittelgroßen und großen Blutgefäße. Sie betrifft vor allem Menschen über 50 Jahre und tritt häufiger bei Frauen auf. Die Erkrankung befällt besonders die Schläfenarterien, aber auch andere Gefäße im Kopf, Hals und in der Hauptschlagader können betroffen sein.
Welche Beschwerden können auftreten?
Die häufigsten Symptome sind:
– Neu aufgetretene Kopfschmerzen, oft im Schläfen- oder Hinterkopfbereich
– Schmerzen beim Kauen (Kieferschmerzen, die beim Essen zunehmen)
– Sehstörungen (verschwommenes Sehen, vorübergehende oder dauerhafte Sehverschlechterung)
– Druckempfindlichkeit der Kopfhaut (z.B. beim Haare kämmen)
– Allgemeine Beschwerden wie Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit
– Muskelschmerzen in Schultern, Nacken und Hüfte (Polymyalgia rheumatica)
Die Schläfenarterie kann verdickt, verhärtet oder druckempfindlich sein.
Warum ist eine schnelle Behandlung wichtig?
Die gefährlichste Komplikation der Riesenzellarteriitis ist der Sehverlust, der bei etwa 10-20% der unbehandelten Patienten auftritt. Dieser kann plötzlich eintreten und ist meist dauerhaft. Deshalb ist es wichtig, bei Verdacht auf diese Erkrankung sofort einen Arzt aufzusuchen.
Weitere mögliche Komplikationen sind Schlaganfall, Erweiterungen der Hauptschlagader (Aneurysmen) und Durchblutungsstörungen in Armen oder Beinen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Ihr Arzt wird:
– Eine ausführliche Untersuchung durchführen
– Blutuntersuchungen veranlassen (erhöhte Entzündungswerte sind typisch)
– Möglicherweise eine Gewebeprobe der Schläfenarterie entnehmen
– Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder andere Untersuchungen einsetzen
Wie wird die Riesenzellarteriitis behandelt?
Die Behandlung sollte sofort beginnen, auch wenn die Diagnose noch nicht vollständig gesichert ist:
Kortison (Glukokortikoide) ist die wichtigste Behandlung. Die Therapie beginnt mit einer hohen Dosis, die dann über Monate langsam reduziert wird. Bei Sehstörungen kann Kortison zunächst über die Vene gegeben werden.
Zusätzliche Medikamente können helfen, die Kortisondosis zu verringern und Nebenwirkungen zu reduzieren. Dazu gehören moderne Biologika wie Tocilizumab oder Upadacitinib.
Die Behandlung dauert in der Regel mindestens ein Jahr, manchmal auch länger.
Was können Sie selbst tun?
– Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein
– Gehen Sie zu allen Kontrolluntersuchungen
– Melden Sie neue Symptome sofort Ihrem Arzt, besonders Sehstörungen
– Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise, um Nebenwirkungen des Kortisons zu minimieren (ausgewogene Ernährung, Bewegung, Kalzium und Vitamin D)
– Informieren Sie sich über mögliche Nebenwirkungen der Kortison-Langzeittherapie
Wie ist die Prognose?
Mit rechtzeitiger und konsequenter Behandlung ist die Prognose gut. Die meisten Patienten sprechen schnell auf die Therapie an, und die Beschwerden bessern sich innerhalb weniger Tage. Rückfälle können vorkommen, weshalb regelmäßige ärztliche Kontrollen wichtig sind.
Systemischer Lupus erythematodes
Was ist systemischer Lupus erythematodes (SLE)?
Systemischer Lupus erythematodes, kurz SLE oder Lupus genannt, ist eine chronische Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass Ihr Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift und Entzündungen in verschiedenen Organen verursacht. Die Erkrankung verläuft in Schüben – Phasen mit aktiven Beschwerden wechseln sich mit beschwerdefreien oder -armen Zeiten ab.
SLE betrifft weltweit etwa 3,4 Millionen Menschen, wobei etwa 90% der Betroffenen Frauen sind. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, beginnt aber meist im gebärfähigen Alter.
Welche Symptome können auftreten?
Die Beschwerden bei Lupus sind sehr unterschiedlich, da verschiedene Organe betroffen sein können:
Allgemeine Symptome:
– Starke Müdigkeit und Erschöpfung (80-100% der Patienten)
– Fieber
– Gewichtsverlust
Haut und Haare:
– Schmetterlingsförmiger Hautausschlag im Gesicht (über Nase und Wangen)
– Lichtempfindlichkeit – Hautreaktionen nach Sonneneinstrahlung
– Haarausfall
– Wunde Stellen im Mund
Gelenke und Muskeln:
– Gelenkschmerzen und -schwellungen, besonders in den Händen (80-95%)
– Muskelschmerzen
Innere Organe:
– Nieren: Etwa 40% der Patienten entwickeln eine Nierenentzündung (Lupusnephritis)
– Herz und Lunge: Brustschmerzen durch Entzündung des Herzbeutels oder Lungenfells
– Nervensystem: Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen
Blutveränderungen:
– Blutarmut
– Verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen oder Blutplättchen
Wie wird SLE diagnostiziert?
Die Diagnose stellt in der Regel ein Rheumatologe. Es gibt keinen einzelnen Test, der Lupus eindeutig nachweist. Die Diagnose basiert auf:
– Ihren Symptomen und der körperlichen Untersuchung
– Blutuntersuchungen: Nachweis von Antikörpern (besonders antinukleäre Antikörper/ANA und Anti-Doppelstrang-DNA-Antikörper)
– Urinuntersuchungen: zum Nachweis einer Nierenbeteiligung
– Weitere Untersuchungen je nach betroffenen Organen
Wie wird SLE behandelt?
Das Ziel der Behandlung ist es, die Krankheitsaktivität zu kontrollieren, Schübe zu verhindern und Organschäden zu vermeiden. Die Therapie wird individuell auf Sie abgestimmt.
Basistherapie:
Hydroxychloroquin wird allen Lupus-Patienten empfohlen (außer bei Gegenanzeigen). Es reduziert Krankheitsschübe und verbessert die Langzeitprognose erheblich.
Weitere Medikamente je nach Schweregrad:
– Kortison (Glukokortikoide): zur schnellen Kontrolle von Entzündungen, sollte langfristig so niedrig wie möglich dosiert werden
– Immunsuppressive Medikamente: wie Azathioprin, Mycophenolat oder Methotrexat bei mittelschwerer bis schwerer Erkrankung
– Biologika: neuere Medikamente wie Belimumab oder Anifrolumab bei anhaltend aktiver Erkrankung
Regelmäßige Kontrollen:
Regelmäßige Arztbesuche sind wichtig, um die Krankheitsaktivität zu überwachen und die Behandlung anzupassen.
Was können Sie selbst tun?
– Sonnenschutz: Verwenden Sie Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor und schützende Kleidung
– Nicht rauchen: Rauchen kann Lupus verschlimmern
– Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und angemessene Bewegung
– Medikamente regelmäßig einnehmen: auch wenn Sie sich gut fühlen
– Infektionen vermeiden: Ihr Immunsystem ist durch die Erkrankung und Medikamente geschwächt
– Impfungen: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind
Ausblick
Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten können die meisten Menschen mit Lupus ein weitgehend normales Leben führen. Eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Behandlungsteam und die konsequente Therapie sind der Schlüssel zum Erfolg.
Bei Fragen oder neuen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt.
Sjögren Syndrom
Was ist das Sjögren-Syndrom?
Das Sjögren-Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Drüsen angreift, die Tränen und Speichel produzieren. Dies führt zu trockenen Augen und einem trockenen Mund. Die Erkrankung betrifft hauptsächlich Frauen mittleren Alters, kann aber auch bei Männern, Kindern und älteren Menschen auftreten.
Welche Symptome treten auf?
Die häufigsten Beschwerden sind:
Trockene Augen: Juckreiz, Brennen, Sandkorngefühl in den Augen, verschwommenes Sehen oder Lichtempfindlichkeit
Trockener Mund: Gefühl von Trockenheit oder „Watte im Mund“, Schwierigkeiten beim Sprechen, Schmecken oder Schlucken, erhöhtes Risiko für Karies und Mundinfektionen
Müdigkeit: Ausgeprägte Erschöpfung, die den Alltag beeinträchtigen kann
Gelenkschmerzen: Schmerzen und Steifigkeit in den Gelenken
Bei manchen Patienten können auch andere Organe betroffen sein, wie Haut, Lunge, Nieren oder Nerven.
Was verursacht das Sjögren-Syndrom?
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren (möglicherweise Virusinfektionen) die Erkrankung auslöst. Das Immunsystem greift dann die Speichel- und Tränendrüsen an und schädigt sie.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Ihr Arzt wird verschiedene Untersuchungen durchführen:
– Bluttests auf spezifische Antikörper (Anti-SSA/Ro und Anti-SSB/La)
– Tests zur Messung der Tränen- und Speichelproduktion
– Eventuell eine kleine Gewebeprobe aus der Unterlippe (Speicheldrüsenbiopsie)
– Augenuntersuchung beim Augenarzt
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Obwohl das Sjögren-Syndrom nicht heilbar ist, können die Symptome gut behandelt werden:
Für trockene Augen:
– Künstliche Tränen und Augengele
– Vermeidung von trockener Luft und Wind
– Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit
Für trockenen Mund:
– Häufiges Trinken von Wasser
– Zuckerfreie Kaugummis oder Bonbons zur Anregung des Speichelflusses
– Medikamente, die die Speichelproduktion anregen (z.B. Pilocarpin)
– Gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztbesuche
Für Gelenkschmerzen und Müdigkeit:
– Leichte bis moderate körperliche Aktivität
– Entzündungshemmende Medikamente bei Bedarf
– Bei schweren Verläufen: immunsuppressive Medikamente
Leben mit Sjögren-Syndrom
Die meisten Menschen mit Sjögren-Syndrom können ein normales Leben führen. Wichtig sind:
– Regelmäßige ärztliche Kontrollen
– Konsequente Behandlung der Symptome
– Ausreichend Ruhe und Stressmanagement
– Vermeidung von Rauchen und trockener Umgebung
– Gute Zahn- und Augenpflege
Wann sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren?
Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn:
– Ihre Symptome sich plötzlich verschlechtern
– Neue Beschwerden auftreten (z.B. anhaltende Schwellungen, Hautausschläge, Atembeschwerden)
– Die aktuelle Behandlung nicht mehr ausreichend wirkt
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über alle Fragen und Bedenken bezüglich Ihrer Erkrankung und Behandlung.
Systemische Sklerose (Sklerodermie)
Was ist systemische Sklerose?
Systemische Sklerose (auch Sklerodermie genannt) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift. Das Wort „Sklerodermie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „harte Haut“. Die Erkrankung führt zu einer Verhärtung und Verdickung der Haut und kann auch innere Organe betreffen.
Bei systemischer Sklerose produziert der Körper zu viel Kollagen – ein Protein, das normalerweise Gewebe stärkt. Dies führt zu Vernarbungen (Fibrose) in der Haut und manchmal auch in Organen wie Lunge, Herz, Speiseröhre und Nieren.
Welche Symptome können auftreten?
Frühe Anzeichen:
– Raynaud-Syndrom: Die Finger und Zehen verfärben sich bei Kälte weiß oder blau. Dies ist oft das erste Symptom
– Geschwollene Finger oder Hände: Die Finger können anschwellen, sodass Ringe enger sitzen
– Müdigkeit
Hautveränderungen:
– Verhärtung und Verdickung der Haut, besonders an Fingern, Händen und im Gesicht
– Offene Stellen (Geschwüre) an den Fingerspitzen
– Kleine rote Flecken auf der Haut (Teleangiektasien)
– Schmerzhafte Kalkablagerungen unter der Haut
Mögliche Organbetroffenheit:
– Sodbrennen und Schluckbeschwerden (Speiseröhre)
– Atemnot (Lunge)
– Bluthochdruck (Nieren)
– Herzprobleme
– Verdauungsbeschwerden
Es gibt zwei Hauptformen: Die begrenzte Form betrifft hauptsächlich Hände, Arme und Gesicht. Die diffuse Form schreitet schneller voran und kann größere Hautbereiche und innere Organe betreffen.
Wie wird systemische Sklerose behandelt?
Es gibt keine Heilung für systemische Sklerose, aber verschiedene Behandlungen können Symptome lindern und das Fortschreiten verlangsamen:
Für Raynaud-Syndrom und Durchblutungsstörungen:
– Kalziumkanalblocker (z.B. Nifedipin)
– Warmhalten der Hände und Füße
– Vermeidung von Kälte und Stress
Für Hautveränderungen und Fibrose:
– Immunsuppressive Medikamente wie Mycophenolat-Mofetil oder Methotrexat
– Neuere Medikamente wie Rituximab oder Tocilizumab
Für Lungenbeteiligung:
– Mycophenolat-Mofetil
– Nintedanib (ein antifibrotisches Medikament)
– Tocilizumab
Für andere Organbeteiligungen:
– Spezifische Medikamente je nach betroffenem Organ
– Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
Was können Sie selbst tun?
– Schützen Sie sich vor Kälte (warme Kleidung, Handschuhe)
– Vermeiden Sie Rauchen – es verschlechtert die Durchblutung
– Pflegen Sie Ihre Haut regelmäßig mit Feuchtigkeitscremes
– Bewegen Sie Ihre Finger und Gelenke regelmäßig
– Nehmen Sie alle Kontrolltermine wahr
– Informieren Sie Ihren Arzt sofort bei neuen Symptomen
Wichtig zu wissen
Systemische Sklerose verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich. Manche haben nur leichte Symptome, andere sind stärker betroffen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können helfen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität zu verbessern.
Die Betreuung durch ein spezialisiertes Team aus verschiedenen Fachärzten (Rheumatologen, Hautärzte, Lungenfachärzte) ist wichtig für eine optimale Behandlung.
Bei Fragen oder neuen Symptomen wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt.
Polymyositis / Dermatomyositis
Was sind Polymyositis und Dermatomyositis?
Polymyositis und Dermatomyositis sind seltene entzündliche Muskelerkrankungen, bei denen das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die Muskulatur angreift. Bei der Dermatomyositis sind zusätzlich zur Muskulatur auch die Haut betroffen.
Welche Beschwerden können auftreten?
Muskelschwäche
– Schwäche vor allem in den Oberarmen und Oberschenkeln (z.B. Schwierigkeiten beim Treppensteigen, Aufstehen aus dem Sitzen, Heben von Gegenständen)
– Die Schwäche entwickelt sich meist über Wochen bis Monate
– Manchmal auch Schluckbeschwerden oder Schwäche der Nackenmuskulatur
– Muskelschmerzen können vorkommen
Hautveränderungen (nur bei Dermatomyositis)
– Violette oder rötliche Verfärbung um die Augen (sogenannter Heliotrope-Ausschlag)
– Rötliche Knötchen oder Flecken über den Fingerknöcheln, Ellenbogen oder Knien (Gottron-Zeichen)
– Rötungen im Gesicht, am Hals, auf der Brust oder am Rücken
– Juckreiz der Haut
– Die Hautveränderungen können lichtempfindlich sein
Weitere mögliche Beschwerden
– Müdigkeit und Abgeschlagenheit
– Manchmal Atembeschwerden bei Beteiligung der Lunge
– Gelenkschmerzen
Was ist die Ursache?
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem irrtümlich körpereigenes Gewebe angreift. Vermutlich spielen eine genetische Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle. Die Erkrankungen sind nicht ansteckend und nicht vererbbar im klassischen Sinne.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Ihr Arzt wird verschiedene Untersuchungen durchführen:
– Körperliche Untersuchung und Krafttests
– Blutuntersuchungen (erhöhte Muskelenzyme wie Kreatinkinase)
– Eventuell eine Muskelbiopsie (Gewebeprobe)
– Bildgebende Verfahren wie MRT
– Messung der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyographie)
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündung zu kontrollieren und die Muskelkraft zu verbessern.
Medikamente
– Kortison (Prednisolon) ist meist das erste Medikament
– Immunsuppressive Medikamente wie Azathioprin, Methotrexat oder Mycophenolat zur Einsparung von Kortison
– Bei schweren oder therapieresistenten Verläufen: Immunglobuline (Antikörper-Infusionen), Rituximab oder andere Biologika
– Bei Hautbeteiligung: Sonnenschutz und eventuell Hautcremes
Weitere wichtige Maßnahmen
– Physiotherapie und angepasstes Bewegungstraining sind sehr wichtig für den Erhalt und Aufbau der Muskelkraft
– Regelmäßige ärztliche Kontrollen
– Bei Dermatomyositis: Sonnenschutz (Sonnencreme, schützende Kleidung)
Wie ist der Verlauf?
Mit einer konsequenten Behandlung lässt sich die Erkrankung bei vielen Patienten gut kontrollieren. Die Behandlung muss oft über längere Zeit fortgeführt werden. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um den Therapieerfolg zu überwachen und Nebenwirkungen der Medikamente frühzeitig zu erkennen.
Was können Sie selbst tun?
– Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig wie verordnet ein
– Bleiben Sie in Bewegung – besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten ein geeignetes Übungsprogramm
– Schützen Sie Ihre Haut vor Sonne (bei Dermatomyositis)
– Achten Sie auf ausreichende Ernährung, besonders bei Schluckbeschwerden
– Nehmen Sie regelmäßige Kontrolltermine wahr
– Informieren Sie Ihren Arzt über neue oder sich verschlechternde Symptome
Wichtig zu wissen
Bei Dermatomyositis besteht ein leicht erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen. Ihr Arzt wird daher entsprechende Vorsorgeuntersuchungen empfehlen.
Mischkollagenose (Sharp Syndrom)
Was ist die Mischkollagenose?
Die Mischkollagenose (auch Sharp-Syndrom oder MCTD genannt) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Gewebe angreift. Die Erkrankung wurde 1972 erstmals beschrieben und zeigt Merkmale verschiedener Bindegewebserkrankungen wie Lupus, Sklerodermie und Polymyositis.
Die Erkrankung betrifft etwa 2 von 100.000 Menschen pro Jahr und tritt hauptsächlich bei Frauen auf (etwa 80-90% der Betroffenen). Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 35-48 Jahren, aber auch Kinder und Jugendliche können betroffen sein.
Welche Symptome können auftreten?
Die häufigsten Beschwerden sind:
Häufige Symptome:
– Raynaud-Phänomen (Verfärbung der Finger bei Kälte – weiß, blau, rot)
– Geschwollene Hände und Finger („Wurstfinger“)
– Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen
– Muskelschwäche und Muskelschmerzen
– Schluckbeschwerden
Weitere mögliche Symptome:
– Müdigkeit und Erschöpfung
– Sodbrennen und Verdauungsprobleme
– Atembeschwerden
– Hautveränderungen
– Trockene Augen oder Mundtrockenheit
Die Symptome können von Person zu Person sehr unterschiedlich sein und im Verlauf der Erkrankung wechseln.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose basiert auf:
Blutuntersuchungen: Ein spezieller Antikörper (Anti-U1-RNP) ist typisch für diese Erkrankung und muss in hoher Konzentration nachweisbar sein.
Körperliche Untersuchung: Ihr Arzt untersucht Sie auf typische Symptome wie geschwollene Hände, Gelenkveränderungen oder Hautveränderungen.
Zusätzliche Untersuchungen: Je nach Symptomen können weitere Tests notwendig sein, wie Lungenfunktionstests, Herzultraschall oder Untersuchungen der Speiseröhre.
Die Diagnosestellung kann manchmal mehrere Jahre dauern, da die Symptome schleichend beginnen und sich erst nach und nach entwickeln.
Wie wird die Mischkollagenose behandelt?
Die Behandlung wird individuell auf Ihre Symptome abgestimmt:
Medikamente:
– Hydroxychloroquin (ein Malariamittel) wird häufig als Basistherapie eingesetzt
– Kortison bei akuten Entzündungen
– Immunsuppressive Medikamente bei schweren Verläufen
– Durchblutungsfördernde Medikamente bei Raynaud-Phänomen
– Schmerzmittel bei Gelenk- oder Muskelschmerzen
Allgemeine Maßnahmen:
– Schutz vor Kälte (warme Kleidung, Handschuhe)
– Vermeidung von Rauchen
– Regelmäßige Bewegung
– Stressreduktion
Wie ist der Verlauf?
Viele Patienten haben einen milden Verlauf und können mit der richtigen Behandlung ein weitgehend normales Leben führen. Etwa 45-60% der Patienten erreichen eine Remission (Ruhephase der Erkrankung).
Wichtig ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle, da sich manchmal Komplikationen an Lunge oder Herz entwickeln können. Diese lassen sich durch frühzeitige Erkennung und Behandlung meist gut kontrollieren.
Bei etwa 25-30% der Patienten kann sich im Verlauf eine andere Bindegewebserkrankung entwickeln, meist Sklerodermie oder Lupus.
Was können Sie selbst tun?
– Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein
– Gehen Sie zu allen vereinbarten Kontrolluntersuchungen
– Schützen Sie sich vor Kälte
– Hören Sie mit dem Rauchen auf (falls Sie rauchen)
– Bleiben Sie körperlich aktiv
– Informieren Sie Ihren Arzt über neue oder sich verschlechternde Symptome
Wichtig zu wissen
Die Mischkollagenose ist eine chronische Erkrankung, die eine langfristige Betreuung erfordert. Mit der richtigen Behandlung und regelmäßigen Kontrollen haben die meisten Patienten eine gute Prognose. Zögern Sie nicht, Ihren Arzt bei Fragen oder neuen Beschwerden zu kontaktieren.
Granulomatose mit Polyangiitis (ehemals Morbus Wegener)
Was ist Granulomatose mit Polyangiitis (GPA)?
Granulomatose mit Polyangiitis (GPA), früher als Wegener-Granulomatose bekannt, ist eine seltene Autoimmunerkrankung. Bei dieser Erkrankung greift das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Blutgefäße an und verursacht Entzündungen in kleinen und mittleren Gefäßen. Am häufigsten sind die oberen Atemwege (Nase, Nebenhöhlen, Ohren), die Lunge und die Nieren betroffen, aber auch andere Organe können erkranken.
Welche Symptome können auftreten?
Die Symptome von GPA können sehr unterschiedlich sein:
Hals-Nasen-Ohren-Bereich:
– Anhaltender blutiger Nasenausfluss oder Nasenbluten
– Krustenbildung in der Nase
– Verstopfte Nase oder chronische Nebenhöhlenentzündungen
– Ohrenschmerzen oder Hörverlust
– Sattelnasendeformität (Einsenkung des Nasenrückens)
Lunge:
– Husten, manchmal mit Blut
– Atemnot
– Brustschmerzen
Nieren:
– Blut im Urin (oft nicht sichtbar)
– Verschlechterung der Nierenfunktion
– Schwellungen (Ödeme)
Allgemeine Symptome:
– Müdigkeit und Erschöpfung
– Fieber
– Gewichtsverlust
– Gelenk- und Muskelschmerzen
Wie wird GPA diagnostiziert?
Die Diagnose basiert auf mehreren Untersuchungen:
– Blutuntersuchungen: Nachweis von speziellen Antikörpern (ANCA, insbesondere gegen PR3)
– Urinuntersuchung: Suche nach Blut oder Eiweiß im Urin
– Bildgebung: Röntgen, CT oder MRT der Lunge und Nebenhöhlen
– Gewebeprobe (Biopsie): Untersuchung von Gewebe aus betroffenen Organen unter dem Mikroskop
Wie wird GPA behandelt?
Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündung zu kontrollieren und Organschäden zu verhindern. Sie erfolgt in zwei Phasen:
Einleitungstherapie (Remissionsinduktion):
Ziel ist es, die aktive Entzündung schnell zu stoppen. Verwendet werden:
– Rituximab (bevorzugt) oder Cyclophosphamid
– Kortison (Glukokortikoide) in hoher Dosis
Erhaltungstherapie:
Nach Erreichen der Remission wird die Behandlung fortgesetzt, um Rückfälle zu verhindern:
– Rituximab, Azathioprin oder Methotrexat
– Niedrig dosiertes Kortison, das schrittweise reduziert wird
Die Behandlung wird individuell angepasst und kann mehrere Jahre dauern.
Wie ist die Prognose?
Mit modernen Behandlungsmethoden erreichen 70-90% der Patienten eine Remission (Ruhephase der Erkrankung). Die Überlebensrate hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Allerdings erleiden 30-50% der Patienten innerhalb von 5 Jahren einen Rückfall, weshalb eine langfristige ärztliche Betreuung wichtig ist.
Was können Sie selbst tun?
– Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und genau nach Anweisung ein
– Gehen Sie zu allen vereinbarten Kontrolluntersuchungen
– Informieren Sie Ihren Arzt sofort bei neuen oder wiederkehrenden Symptomen
– Achten Sie auf Infektionszeichen (Fieber, Husten), da die Behandlung das Immunsystem schwächt
– Führen Sie einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung
Wichtig zu wissen
GPA ist eine chronische Erkrankung, die eine langfristige Behandlung und Überwachung erfordert. Mit der richtigen Therapie können die meisten Patienten ein weitgehend normales Leben führen. Zögern Sie nicht, Fragen zu stellen und Unterstützung zu suchen – Ihr Behandlungsteam ist für Sie da.
Eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (ehemals Churg-Strauss-Syndrom)
Was ist EGPA?
Die eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis (EGPA), früher als Churg-Strauss-Syndrom bekannt, ist eine seltene entzündliche Erkrankung. Sie betrifft kleine und mittelgroße Blutgefäße im Körper und geht mit einer erhöhten Anzahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophile) einher.
Welche Symptome können auftreten?
EGPA entwickelt sich typischerweise in drei Phasen:
Phase 1 – Allergische Phase:
– Asthma (oft im Erwachsenenalter neu aufgetreten)
– Chronische Nasennebenhöhlenentzündung
– Allergische Rhinitis (Heuschnupfen)
– Nasenpolypen
Phase 2 – Eosinophile Phase:
– Erhöhte Eosinophile im Blut
– Infiltration von Organen durch Eosinophile
– Lungenbeteiligung
– Magen-Darm-Beschwerden
Phase 3 – Vaskulitische Phase:
– Nervenschädigungen (Kribbeln, Taubheitsgefühl, Muskelschwäche)
– Hautausschläge oder Purpura (kleine rote Punkte)
– Allgemeine Symptome wie Fieber, Müdigkeit, Gewichtsverlust
– Seltener: Herz- oder Nierenbeteiligung
Nicht alle Patienten durchlaufen alle drei Phasen in dieser Reihenfolge.
Wie wird EGPA diagnostiziert?
Die Diagnose basiert auf:
– Ihrer Krankengeschichte und körperlichen Untersuchung
– Blutuntersuchungen (erhöhte Eosinophile, manchmal ANCA-Antikörper)
– Bildgebenden Verfahren (Röntgen, CT)
– Gegebenenfalls Gewebeproben
Wie wird EGPA behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere Ihrer Erkrankung:
Kortikosteroide (Kortison):
– Grundpfeiler der Behandlung
– Reduzieren Entzündungen schnell und effektiv
– Langfristig wird versucht, die Dosis zu reduzieren
Immunsuppressive Medikamente:
– Bei schweren Verläufen: Cyclophosphamid oder Rituximab
– Zur Erhaltungstherapie: Azathioprin, Methotrexat oder Mycophenolat
Biologische Therapien:
– Mepolizumab oder Benralizumab (Antikörper gegen Interleukin-5)
– Besonders wirksam bei nicht-schweren, wiederkehrenden Verläufen
– Helfen, Kortison einzusparen
– Verbessern die Asthmakontrolle
Wie ist die Prognose?
Mit moderner Behandlung ist die Prognose bei EGPA gut. Die meisten Patienten erreichen eine Remission (Ruhephase der Erkrankung). Allerdings können Rückfälle auftreten, und viele Patienten benötigen eine langfristige Behandlung, insbesondere für das Asthma.
Was können Sie selbst tun?
– Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein
– Halten Sie alle Kontrolltermine ein
– Informieren Sie Ihren Arzt sofort bei neuen oder sich verschlechternden Symptomen
– Vermeiden Sie bekannte Asthma-Auslöser
– Lassen Sie sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen
Wichtig zu wissen:
EGPA ist eine chronische Erkrankung, die eine langfristige Betreuung erfordert. Mit der richtigen Behandlung können die meisten Patienten ein normales Leben führen. Ihr Behandlungsteam wird die Therapie individuell auf Sie abstimmen.
Mikroskopische Polyangiitis (Panarteriitis nodosa)
Was ist mikroskopische Polyangiitis?
Die mikroskopische Polyangiitis (MPA) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die kleinen Blutgefäße im Körper angreift und Entzündungen verursacht. Diese Entzündung kann verschiedene Organe betreffen, vor allem die Nieren und die Lunge.
Welche Symptome können auftreten?
Die Symptome können sehr unterschiedlich sein, je nachdem welche Organe betroffen sind:
– Allgemeine Beschwerden: Müdigkeit, Fieber, Gewichtsverlust
– Nieren: Blut im Urin, Schwellungen, erhöhte Nierenwerte
– Lunge: Atemnot, Husten, manchmal Bluthusten
– Haut: Hautausschläge, kleine rote Punkte (Purpura)
– Nerven: Taubheitsgefühle, Kribbeln, Muskelschwäche
– Gelenke: Gelenkschmerzen
Wie wird die Erkrankung festgestellt?
Ihr Arzt wird verschiedene Untersuchungen durchführen:
– Blutuntersuchungen: Spezielle Antikörper (ANCA) sind bei etwa 80-90% der Patienten nachweisbar
– Urinuntersuchung: Zum Nachweis von Nierenbeteiligung
– Gewebeproben: Meist aus der Niere oder anderen betroffenen Organen
– Bildgebende Verfahren: Röntgen oder CT der Lunge
Wie wird mikroskopische Polyangiitis behandelt?
Die Behandlung erfolgt in zwei Phasen:
Akutbehandlung (Remissionsinduktion):
Ziel ist es, die Entzündung schnell zu stoppen. Dafür werden verwendet:
– Kortison (Prednisolon oder Methylprednisolon)
– Immunsuppressive Medikamente wie Cyclophosphamid oder Rituximab
Langzeitbehandlung (Erhaltungstherapie):
Nach erfolgreicher Akutbehandlung wird die Therapie fortgesetzt, um Rückfälle zu verhindern:
– Niedrigere Kortisondosen
– Andere Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Methotrexat
Wie ist die Prognose?
Mit moderner Behandlung können die meisten Patienten eine Remission (Ruhephase der Erkrankung) erreichen. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 80-85%. Wichtig zu wissen:
– Rückfälle treten bei etwa 20-40% der Patienten auf
– Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind sehr wichtig
– Infektionen sind eine häufige Komplikation der immunsuppressiven Therapie
Was können Sie selbst tun?
– Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein
– Gehen Sie zu allen Kontrolluntersuchungen
– Melden Sie neue Symptome sofort Ihrem Arzt
– Achten Sie auf Infektionszeichen (Fieber, Husten, Schmerzen)
– Vermeiden Sie Kontakt zu Menschen mit Infektionskrankheiten
– Führen Sie einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung
Wichtig:
Diese Broschüre ersetzt nicht das Gespräch mit Ihrem Arzt. Bei Fragen oder neuen Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihr Behandlungsteam.
Purpura Schönlein Henoch (IgA-Vaskulitis)
Was ist Purpura Schönlein-Henoch?
Purpura Schönlein-Henoch (auch IgA-Vaskulitis genannt) ist eine Entzündung der kleinen Blutgefäße, die vor allem bei Kindern auftritt. Sie ist die häufigste Form der Gefäßentzündung im Kindesalter. Die Erkrankung betrifft hauptsächlich Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren, kann aber auch bei Erwachsenen vorkommen.
Was sind die Ursachen?
Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Die Erkrankung entsteht durch eine Überreaktion des Immunsystems, bei der sich Immunkomplexe (Antikörper vom Typ IgA) in den Wänden kleiner Blutgefäße ablagern. Häufig tritt die Erkrankung 1-3 Wochen nach einer Atemwegsinfektion auf. Mögliche Auslöser sind Virusinfektionen oder bakterielle Infektionen, insbesondere Streptokokken.
Welche Symptome treten auf?
Die typischen Anzeichen sind:
Hautveränderungen: Rötlich-violette, tastbare Flecken (Purpura), die nicht wegdrückbar sind. Sie treten meist an Beinen und Gesäß auf und sind bei allen Betroffenen vorhanden.
Gelenkbeschwerden: Schmerzen und Schwellungen, vor allem an Knien und Sprunggelenken (bei etwa 75% der Patienten).
Bauchschmerzen: Krampfartige Schmerzen, manchmal mit Übelkeit, Erbrechen oder blutigem Stuhl (bei 60-65% der Patienten).
Nierenbeteiligung: Blut oder Eiweiß im Urin (bei 40-50% der Patienten). Dies verläuft oft ohne Beschwerden und wird nur durch Urinuntersuchungen festgestellt.
Wie wird die Erkrankung behandelt?
Bei den meisten Patienten heilt die Erkrankung von selbst aus. Die Behandlung konzentriert sich daher auf die Linderung der Beschwerden:
– Ruhe und Schonung
– Schmerzmedikamente bei Gelenk- oder Bauchschmerzen
– Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
– Bei starken Bauch- oder Gelenkschmerzen können Kortison-Medikamente eingesetzt werden
– Bei schwerer Nierenbeteiligung sind spezielle Medikamente und eine engmaschige Überwachung durch einen Nierenspezialisten notwendig
Wie ist die Prognose?
Die Prognose ist in den meisten Fällen sehr gut. Bei 94% der Kinder und 89% der Erwachsenen heilt die Erkrankung vollständig aus. Die Symptome klingen meist innerhalb von 4-6 Wochen ab. Bei etwa einem Drittel der Patienten kann es zu einem Rückfall kommen, meist im ersten Jahr nach der Erkrankung.
Die langfristige Prognose hängt hauptsächlich von der Nierenbeteiligung ab. Schwere Nierenschäden sind selten und betreffen nur 1-5% der Patienten.
Wichtige Nachsorge
Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, auch wenn die akuten Symptome abgeklungen sind:
– Urinuntersuchungen sollten über mindestens 6 Monate durchgeführt werden
– Bei Anzeichen einer Nierenbeteiligung sind längere Kontrollen notwendig
– Suchen Sie sofort einen Arzt auf bei: starken Bauchschmerzen, blutigem Stuhl, Atembeschwerden oder deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands
Wann sollten Sie zum Arzt?
Kontaktieren Sie umgehend Ihren Arzt, wenn:
– Neue oder sich verschlimmernde Symptome auftreten
– Starke Bauchschmerzen oder blutiger Stuhl auftreten
– Schwellungen im Gesicht oder verminderte Urinausscheidung bemerkt werden
– Fieber oder starke Kopfschmerzen hinzukommen
Sarkoidose
Was ist Sarkoidose?
Sarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung, die verschiedene Organe im Körper betreffen kann. Bei dieser Erkrankung bilden sich kleine Ansammlungen von Entzündungszellen, sogenannte Granulome, in den betroffenen Organen. Am häufigsten sind die Lunge und die Lymphknoten betroffen, aber auch Augen, Haut, Leber, Herz und andere Organe können erkranken.
Was verursacht Sarkoidose?
Die genaue Ursache der Sarkoidose ist noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Mögliche Auslöser können sein:
– Berufliche Exposition gegenüber Metallen, Staub oder Chemikalien
– Kontakt mit Schimmel oder bestimmten Mikroorganismen
– Genetische Faktoren (die Erkrankung tritt manchmal familiär gehäuft auf)
Welche Symptome können auftreten?
Die Symptome der Sarkoidose sind sehr unterschiedlich und hängen davon ab, welche Organe betroffen sind. Viele Patienten haben nur leichte Beschwerden oder gar keine Symptome. Die Erkrankung wird dann oft zufällig bei einer Röntgenuntersuchung entdeckt.
Häufige Symptome sind:
– Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
– Trockener Husten
– Atemnot oder Kurzatmigkeit
– Brustschmerzen
– Hautveränderungen (rötlich-braune Knötchen oder Flecken)
– Augenentzündungen
– Gelenkschmerzen
– Fieber und ungewollter Gewichtsverlust
Eine besondere Form ist das Löfgren-Syndrom, das mit plötzlich auftretenden Symptomen wie Fieber, schmerzhaften roten Hautknoten (Erythema nodosum), Gelenkschmerzen und geschwollenen Lymphknoten einhergeht. Diese Form hat meist eine gute Prognose.
Wie wird Sarkoidose diagnostiziert?
Die Diagnose der Sarkoidose erfordert mehrere Schritte:
– Ausführliche Befragung zu Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte
– Körperliche Untersuchung
– Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie der Lunge
– Lungenfunktionstests
– Gewebeprobe (Biopsie), meist durch eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie)
– Blutuntersuchungen
Die Diagnose wird gestellt, wenn typische Granulome im Gewebe nachgewiesen werden und andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen wurden.
Wie verläuft die Erkrankung?
Der Verlauf der Sarkoidose ist sehr unterschiedlich:
– Bei vielen Patienten (mehr als 50%) bildet sich die Erkrankung von selbst zurück, ohne dass eine Behandlung notwendig ist
– Etwa ein Drittel der Patienten entwickelt einen chronischen Verlauf
– In seltenen Fällen kann die Erkrankung zu dauerhaften Organschäden führen
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Nicht jeder Patient mit Sarkoidose benötigt eine Behandlung. Die Entscheidung hängt davon ab, welche Organe betroffen sind, wie stark die Beschwerden sind und ob die Erkrankung fortschreitet.
Wenn eine Behandlung notwendig ist, kommen folgende Medikamente in Betracht:
– Kortison (Glukokortikoide): Dies ist die häufigste Erstbehandlung. Die Dosis wird meist über mehrere Monate langsam reduziert.
– Kortison-sparende Medikamente: Bei längerer Behandlungsdauer können Medikamente wie Methotrexat oder Azathioprin eingesetzt werden, um die Kortison-Dosis zu verringern und Nebenwirkungen zu vermeiden.
– Weitere Medikamente: In speziellen Fällen können andere Wirkstoffe wie Hydroxychloroquin oder biologische Medikamente (z.B. Anti-TNF-Therapien) zum Einsatz kommen.
– Symptomatische Behandlung: Bei leichten Beschwerden können entzündungshemmende Schmerzmittel ausreichend sein.
Was können Sie selbst tun?
– Nehmen Sie regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahr
– Informieren Sie Ihren Arzt über neue oder sich verschlechternde Symptome
– Vermeiden Sie Rauchen
– Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und angemessener körperlicher Aktivität
– Schützen Sie sich vor übermäßiger Sonneneinstrahlung, wenn Sie Hautveränderungen haben
Wichtig zu wissen
Sarkoidose ist eine behandelbare Erkrankung. Mit der richtigen Betreuung können die meisten Patienten ein normales Leben führen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden und Sorgen. Gemeinsam können Sie den besten Behandlungsplan für Ihre individuelle Situation finden.
Löfgren Syndrom
Was ist das Löfgren-Syndrom?
Das Löfgren-Syndrom ist eine besondere Form der Sarkoidose, einer entzündlichen Erkrankung, die verschiedene Organe betreffen kann. Es handelt sich um eine akute, aber gutartige Verlaufsform mit sehr guter Prognose.
Typische Beschwerden
Das Löfgren-Syndrom zeigt sich durch drei charakteristische Symptome:
Erythema nodosum: Schmerzhafte, rötliche Knoten an den Unterschenkeln
Gelenkbeschwerden: Schwellungen und Schmerzen, besonders an den Sprunggelenken
Vergrößerte Lymphknoten: Im Brustkorb (sichtbar auf dem Röntgenbild)
Zusätzlich können Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Viele Patienten haben keine Atembeschwerden.
Wer ist betroffen?
Das Löfgren-Syndrom tritt häufiger bei jungen Frauen auf, typischerweise im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. In vielen Fällen beginnen die Beschwerden im Frühling.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose erfolgt meist durch:
– Körperliche Untersuchung
– Röntgenaufnahme oder CT des Brustkorbs
– Blutuntersuchungen
Bei typischen Beschwerden ist eine Gewebeprobe oft nicht notwendig.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern:
Schmerzmittel: Entzündungshemmende Medikamente (wie Ibuprofen) gegen Gelenk- und Hautschmerzen
Kortison: Nur bei starken Beschwerden, die auf einfache Schmerzmittel nicht ansprechen
Viele Patienten benötigen nur eine symptomatische Behandlung.
Prognose
Das Löfgren-Syndrom hat eine sehr gute Prognose. Bei den meisten Patienten heilt die Erkrankung innerhalb von 1-2 Jahren vollständig aus. Nur etwa 8% der Patienten entwickeln einen chronischen Verlauf. Rückfälle sind selten (etwa 17% der Fälle).
Was sollten Sie beachten?
– Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig, um den Krankheitsverlauf zu überwachen
– Die meisten Patienten können ein normales Leben führen
– Bei neuen oder sich verschlechternden Beschwerden sollten Sie Ihren Arzt kontaktieren
Wichtig zu wissen
Das Löfgren-Syndrom ist keine ansteckende Erkrankung. Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt, aber genetische Faktoren spielen eine Rolle. Die Erkrankung unterscheidet sich deutlich von anderen Formen der Sarkoidose durch ihren gutartigen, selbstlimitierenden Verlauf.
Gicht
Was ist Gicht?
Gicht ist eine häufige Form der Gelenkentzündung, die durch die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken entsteht. Diese Kristalle bilden sich, wenn zu viel Harnsäure im Blut vorhanden ist. Gicht verursacht plötzliche, sehr starke Schmerzen und Schwellungen, meist in einem einzelnen Gelenk.
Wie äußert sich ein Gichtanfall?
Ein typischer Gichtanfall beginnt oft plötzlich, häufig nachts. Die Symptome umfassen:
– Sehr starke, stechende oder brennende Schmerzen in einem Gelenk
– Schwellung und Rötung des betroffenen Gelenks
– Das Gelenk fühlt sich warm an
– Schmerzen erreichen innerhalb von 12-24 Stunden ihre maximale Intensität
– Häufig ist das Großzehengrundgelenk betroffen, aber auch Sprunggelenk, Knie oder andere Gelenke können befallen sein
Ohne Behandlung dauert ein Gichtanfall typischerweise 7-14 Tage. Zwischen den Anfällen können Sie völlig beschwerdefrei sein.
Was verursacht Gicht?
Gicht entsteht durch einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blut. Risikofaktoren sind:
– Übergewicht
– Bluthochdruck
– Nierenerkrankungen
– Bestimmte Medikamente (z.B. Entwässerungstabletten)
– Männliches Geschlecht
– Familiäre Veranlagung
– Ernährung reich an Fleisch, Meeresfrüchten und Alkohol (besonders Bier)
– Zuckerhaltige Getränke mit Fruktose
Wie wird Gicht behandelt?
Bei akuten Anfällen:
Ihr Arzt kann Ihnen entzündungshemmende Medikamente verschreiben, um die Schmerzen und Schwellung zu lindern. Dazu gehören Kortison, nichtsteroidale Entzündungshemmer oder Colchicin.
Langfristige Behandlung:
Wenn Sie häufige Gichtanfälle haben (zwei oder mehr pro Jahr), kann eine dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels mit Medikamenten notwendig sein. Diese Medikamente verhindern neue Anfälle und lösen bereits vorhandene Kristallablagerungen auf.
Was können Sie selbst tun?
Ernährung:
– Reduzieren Sie den Konsum von rotem Fleisch und Meeresfrüchten
– Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke
– Schränken Sie Alkoholkonsum ein, besonders Bier
– Trinken Sie ausreichend Wasser
– Erhöhen Sie den Verzehr von fettarmen Milchprodukten und Gemüse
Lebensstil:
– Abnehmen bei Übergewicht kann den Harnsäurespiegel senken
– Regelmäßige Bewegung ist hilfreich
– Vermeiden Sie bekannte Auslöser für Ihre Gichtanfälle
Wichtig zu wissen:
Ernährungsumstellungen allein reichen meist nicht aus, um den Harnsäurespiegel ausreichend zu senken. Die meisten Patienten benötigen zusätzlich Medikamente für eine wirksame Kontrolle der Gicht.
Wann sollten Sie zum Arzt?
Suchen Sie ärztliche Hilfe auf, wenn:
– Sie zum ersten Mal Symptome eines Gichtanfalls haben
– Die Schmerzen sehr stark sind oder sich verschlimmern
– Sie Fieber entwickeln
– Die Anfälle häufiger werden
Mit der richtigen Behandlung lässt sich Gicht gut kontrollieren, und Sie können ein beschwerdefreies Leben führen.
Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen: Nicht immer eine rheumatische Erkrankung
Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen: Nicht immer eine rheumatische Erkrankung
Wenn Sie unter Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen oder Steifigkeit leiden, denken viele Menschen zunächst an eine rheumatische Erkrankung. Es gibt jedoch verschiedene andere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden verursachen können. Diese Broschüre informiert Sie über wichtige nicht-rheumatologische Ursachen.
Infektionen
Verschiedene Infektionen können Gelenk- und Muskelschmerzen verursachen:
Virusinfektionen wie Parvovirus B19, Hepatitis B und C, HIV oder Chikungunya können zu Gelenkschmerzen führen, die einer rheumatischen Erkrankung ähneln. Diese Beschwerden sind meist vorübergehend und verschwinden nach Behandlung der Infektion.
Bakterielle Infektionen wie Borreliose (Lyme-Krankheit), Tuberkulose oder Herzklappenentzündung können ebenfalls Gelenkbeschwerden verursachen. Wichtige Hinweise sind Fieber, Hautausschlag, Lymphknotenschwellungen oder eine Reiseanamnese in Risikogebiete.
Septische Arthritis ist eine bakterielle Gelenkinfektion, die schnell behandelt werden muss. Typische Zeichen sind starke Schmerzen in einem einzelnen Gelenk, Fieber und Schüttelfrost.
Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen
Schilddrüsenerkrankungen (Über- oder Unterfunktion) können diffuse Muskelschmerzen, Schwäche, Zittern und Muskelkrämpfe verursachen.
Nebenschilddrüsenüberfunktion führt zu erhöhten Kalziumwerten und kann Muskel- und Knochenschmerzen auslösen.
Vitamin-D-Mangel (Osteomalazie) verursacht diffuse Muskel- und Skelettschmerzen.
Medikamentennebenwirkungen
Bestimmte Medikamente können Muskel- und Gelenkbeschwerden verursachen:
Statine (Cholesterinsenker) können Muskelschmerzen und -schwäche auslösen.
Bisphosphonate (Osteoporose-Medikamente) und Aromatasehemmer (Krebsmedikamente) können ebenfalls Gelenkschmerzen verursachen.
Krebserkrankungen
In seltenen Fällen können Krebserkrankungen mit rheumatischen Beschwerden einhergehen:
Blutkrebs (Leukämie, Lymphome, Multiples Myelom) kann sich durch Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und allgemeine Schwäche bemerkbar machen.
Solide Tumore können ebenfalls Muskel- und Gelenkbeschwerden verursachen, meist begleitet von Gewichtsverlust, Nachtschweiß und Müdigkeit.
Fibromyalgie
Fibromyalgie ist eine chronische Schmerzerkrankung mit weit verbreiteten Schmerzen, Müdigkeit, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Im Gegensatz zu entzündlichen rheumatischen Erkrankungen sind die Entzündungswerte im Blut normal, und es gibt keine Gelenkschwellungen.
Verschleißerkrankungen
Arthrose (Gelenkverschleiß) verursacht Schmerzen, die sich im Laufe des Tages verschlimmern und durch Ruhe bessern. Die Schmerzen sind meist nicht entzündlich, und die Morgensteifigkeit dauert kürzer als bei rheumatischen Erkrankungen.
Neurologische Erkrankungen
Parkinson-Krankheit kann mit allgemeiner Steifigkeit und Bewegungsstörungen einhergehen, die manchmal mit rheumatischen Beschwerden verwechselt werden.
Wann sollten Sie zum Arzt/Rheumatologen?
Suchen Sie ärztliche Hilfe auf, wenn Sie folgende Symptome bemerken:
– Anhaltende Gelenkschmerzen oder -schwellungen
– Fieber zusammen mit Gelenkschmerzen
– Unerklärlicher Gewichtsverlust
– Starke Nachtschweiß
– Extreme Müdigkeit
– Hautausschläge
– Schmerzen, die nicht auf übliche Behandlungen ansprechen
Wichtig zu wissen
Ihr Arzt wird durch eine gründliche Untersuchung, Bluttests und gegebenenfalls bildgebende Verfahren die Ursache Ihrer Beschwerden ermitteln. Eine genaue Diagnose ist wichtig, da die Behandlung je nach Ursache sehr unterschiedlich sein kann.
Zögern Sie nicht, Ihren Arzt über alle Ihre Symptome zu informieren, einschließlich Reisen, Medikamenteneinnahme und Begleitsymptome. Diese Informationen helfen bei der richtigen Diagnosestellung.
